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Die Münchner Berg-Community

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#1 22.02.2017 14:36:17

Holger Sch
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Radtour durch Laos 15.01. - 09.02.17

Da ich noch Resturlaub hatte, musste ich mir Gedfanken um ein Ziel für den Winter mit dem Rad machen. Dieses Mal sollte es eine Region sein, welche ich überhaupt noch nicht kannte. Die Wahl fiel auf Laos und dort den Norden, da ich von anderen Reisenden gehört hatte, daß Nordlaos wie auch Nordthailand schön sein sollen.

Am 15.01. ging es mit Singapore Airlines über Singapore in die Hauptstadt Vientiane. Singapore Airlines auch deswegen, weil die Fahrradmitnahme problemlos ist und das Rad auch nicht verpackt werden muß. In Vientiane verbrachte ich erst einmal 1 1/2 Tage um auch die Zeitumstellung zu verarbeiten und nach guten Landkarten zu suchen. Letztendlich fand ich zwar bessere Landkarten, welche aber immer noch miserabel waren. So war ich froh, daß ich mein Smartphone mit maps.me dabei hatte. Die gesamte Navigation machte ich dann mit dieser App und ich kann sie wirklich empfehlen.
Die Hauptstadt selber ist relativ beschaulich. Von Vientiane ging es dann Richtung Norden auf kleinen Nebenstraßen Richtung Nam Ngum Stausee nach Thalat. Die Strecke war zum einrollen angenehm - kaum Verkehr und relativ flach. Die Laoten sehr zurückhaltend aber freundlich - man wird oft mit "Sabai dii" (Hallo) begrüßt.  Am nächsten Tag ging es dann in die Berge nach VangVieng - aber nicht die M13 - sondern eine Piste welche parallel dazu verläuft. Die Stracke ist landschaftlich schön und sehr einsam, aber eben teilweise sehr ruppige Piste mit steilen Anstiegen - ein kleiner Vorgeschmack auf die nächsten Wochen. Da ich es nicht mehr bis VangVieng schaffte, übernachtete ich unterwegs an einem Fluß auf dem Podest von einem Brückpfeiler. Am nächsten Tag ging es mit herrlichen Ausblicken auf die Karstfelsen nach VangVieng. Allerdings VangVieng für mich komplett abschreckend - Aktiontourismus auf hohem Grad - Quad fahren, an Zip lines langrutschen, auf Reifen den Fluß tuben ...Die Höhlen dort werden auch sehr gelobt. Also ich war enttäuscht von den Höhlen - da gibt es vor unserer Haustür weitaus bessere Höhlen.

So ging es weiter nach Kasi. Von da aus ging es die Verbindungsstrasse 4c weiter. An der Strasse liegt die Höhle Tham Khoun Lang und die ist wirklich sehenswert. Sie wurde von den Dorfbewohnern mal ausgebaut, sogar Beleuchtung wurde reingelegt. Aber scheinbar sind keine Touristen gekommen, so daß alles wieder verfallen ist. Mit meiner Stirnlampe konnten ich dann die 14m hohen Stalagmiten und Stalaktiten bewundern ganz allein. Danach ging es 1500Hm immer mit 12-13% bergauf (und wirklich, da war kein Meter dabei, der flacher war). Das war dann mit dem Gepäck wirklich an der Leistungsgrenze, so daß ich ab und zu geschoben habe. Kurz unterhalb vom Pass habe ich dann gezeltet. Am nächsten Tag ging es dann durch schöne Landschaft nach Luang Prabang- eine Stadt welche zum UNESCO Weltkulturerbe gehört.

In Luang Prabang verbrachte ich zwei Ruhetage. Es gibt dort den Königspalast und einige Wats (Klöster) zu bestaunen.  Eines der am meisten besuchtesten ist Wat Xieng Thong. Ich war erst Nachmittags dort, als schon fast kein Tourist mehr dort war und konnte dann eine nette Fotosession mit drei Frauen in traditionellen Kleidern machen. Am meisten hat mir allerdings der Morgenmarkt in Luang Prabang gefallen. Ansonsten ist die Stadt sehr touristisch mit einigen negativen Begleiterscheinungen. In der Morgendämmerung gehen die Mönche durch die Stadt um Almosen zu bekommen. Natürlich sind da auch sehr viele Touristen und dann werden die Mönche mit Blitzlicht und Abstand 1-2m abgelichtet – Diskretion scheint ein Fremdwort zu sein. Mich hat das mehr an einen Zoo erinnert.

Dann ging es auf eine Querfeldein-Strecke nach Phonsavan. Hier standen jeden Tag steile Anstiege und schlechte Pisten an. Mein Fahrrad wurde durch die Anstiege und die roten Staubpisten sehr gefordert, so daß die Kette sich extrem längte und die Kettenblätter stark verschlissen. Ich bekam auf der Strecke einen guten Einblick in das tägliche Leben der Laoten mit positiven und negativen Erlebnissen. Mit Fahrrad ist fast kein laot mehr unterwegs. Es wird viel mit Mopeds aus chinesischer Produktion gefahren, was ich aber bei den Anstiegen auch gut nachvollziehen kann. Auf der Strecke konnte ich Frauen beim Weben zuschauen, Besenherstellung aus Tigergras anschauen, konnte beim Schlachten von Schweinen etc. dabei sein, konnte beim Schnapsbrennen zuschauen und natürlich die Bergwelt von Laos bestaunen.

Allerdings sah ich auch einige negative Entwicklungen. Fernsehen ist ganz beliebt (es läuft der gleiche Mist wie bei uns) und auch in den letzten Dörfern steht vor jeder Hütte eine Satellitenschüssel und die Menschen liegen teilweise schon am Morgen vor dem Fernseher. Noch mehr war ich über die Nutzung des Smartphones erschreckt. Ein sehr großer Teil der Laoten rennt mit dem Smartphone vor der Nase durch die Gegend und hat kaum Augen für die Menschen um ihn herum. Sehr oft sitzen die Leute beim Essen und alle stieren auf ihr smartphone – schrecklich. In einem Ort schlug ich mein Zelt auf dem Schulgelände auf. Ein alter Mann wollte, daß ich in seinem Haus übernachte, aber ich war zu platt, um alles wieder zusammenzuräumen. Aber ich versprach ihm, ihn am nächsten Tag zu besuchen. Es war natürlich ein großes Hallo im Dorf. Ein Englischlehrer übersetzte etwas und lud mich dann zu sich ein. Ok, dann kann ich das Dorf noch etwas kennenlernen und der Englischlehrer kann sein Englisch trainieren. Nachdem wir etwas gegessen haben und er etwas seine Familie vorgestellt hat, wurde aber der Fernseher eingeschaltet. Schade, aber da zog ich dann doch vor weiter zu radeln.
In Phonsavan schaute ich mir dann die Ebene der Tonkrüge an – sind eigentlich Steinkrüge und die ältesten Zeugnisse der Besiedlung von Laos. Interessanter waren aber noch Hintergründe über die Jahre Vietnamkrieges zu erfahren und die damit verbundenen Hinterlassenschaften. Phonsavan war unter anderem eine Region, welche von Amerika schwer bombardiert wurde – auch Streumunition kam hier viel zum Einsatz. In 9 Jahren fielen alle 8 Minuten eine Bombe auf Laos. Bei der Streumunition explodieren aber 30% der Clusterbomben nicht und liegen jetzt immer noch rum und sind eine latente Gefahr. Ich habe mir als Andanken dann auch zwei Clusterbomben mitgenommen – Stückpreis damals übrigens 35 US-cent.
Von Phonsavan ging es dann 380km zu Kong Lor Höhle. Hier hatte ich dann zwar auch viele Höhenmeter zu bewältigen aber Asphalt unter den Rädern. Meine vorderen beiden großen Zahnkränze fingen immer mehr an durchzurutschen. Ansonsten war die Strecke landschaftlich schön mit einigen netten Begegnungen – Straßenarbeiter luden mich zum Essen ein und dann gleich noch zum Schnaps – phhh, wenn man ausgelaugt ist – war aber extrem lustig (und keine smartphones).

Die Kong Lor Höhle besticht eigentlich durch ihre Größe von 7km Länge, die man mit einem Boot befährt, aber schön ist sie eigentlich nicht. Allerdings das Dorf, wo ich übernachtete war angenehm, weil dort noch so etwas wie Gemeinschaftsgeist herrschte. Es war gerade Tabakernte und ich konnte zuschauen, wie die Blätter getrocknet werden – letztendlich saß ich mit den Frauen nd Kindern zusammen und spießte auch Tabakblätter auf Holzspieße auf (hatte eine kleine, nette Lehrerin).

Dann ging es auf die letzten 380km zurück nach Vientiane. Mein Rad pfiff wirklich auf dem letzten Loch und ich war froh, daß die Etappen nur noch flach waren. Allerdings hat es am vorletzten Tag noch mein Schaltwerk zerlegt, so dß ich die letzten 80km mit einem festen Gang fahren musste.
Unterwegs noch ein paar Wats besucht, den Buddhapark (riesige Buddhafiguren von einem Künstler aus Beton) und einige Märkte. Aber überall smartphone stierende Leute unterwegs. Eine anderes Problem ist mir dann auch noch bewusst geworden – überall liegt Plastikmüll rum (war übrigens in den Bergdörfern auch so). Die Laoten sind sonst sehr sauber – von den Fußböden in den Häusern kann man essen, so glänzen die. Aber im öffentlichen Raum überall Müll und zum großen Teil Plastik. Also dies einzusammeln dürfte jetzt schon Jahre in Anspruch nehmen – da wächst in meinen Augen ein Zukunftsproblem heran.

Nach gut 1600km mit vielen Höhenmetern ging es von Vientiane dann nach Deutschland zurück, wo mein Sohn sich in der Zwischenzeit das Schlüsselbein gebrochen hatte – Skiurlaub in den Winterferien ist damit abgehakt.
- die Laoten sind nett und sehr zurückhaltend
- auf den Strassen wenig Verkehr
- im Bergland ist man jeden Tag mit vielen Höhenmetern konfrontiert
- einige sehr nette Begegnungen mit den Laoten
- schöne Berglandschaften
- Touristen eigentlich nur in wenigen hot spots
- allerdings sieht man dort so etwas die Zukunft der Gesellschaft in vielen Ländern – Fernsehen und smartphone und das den ganzen Tag
- Fahrrad war zum Schluß wirklich am Ende
- Versorgung ist in den abgelegenen Regionen nicht so einfach, Fö (Suppe mit Glasnudeln) gibt es dort zwar überall (früh, mittags und abends) aber pad krapao (Reis mit Basilikum und Fleisch von Huhn oder so) oder ähnliches gab es fast nie in abgelegen Dörfern. Hatte wirklich teilweise Probleme auf meine Kalorien zu kommen
- Müll dürfte ein Zukunftsproblem werden – aber kein Wunder, habe z.B. Kekse gekauft – made in Thailand – waren in einer Tüte und dort waren dann jeweils zwei Kekse nochmals in eine Plastiktüte eingeschweißt
- Insgesamt interessante Reise, aber zwiespältige Eindrücke – besonders die Benutzung der elektronischen Medien war schon
  exessiv
- gute Landkarten von Laos gibt es nicht, maps.me als app war meine Rettung

Gruß
Holger


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Stupa That Luang - Vientiane

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Unterwegs nach Vang Vieng

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Mobiler Einkaufsladen

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Auf den Pisten ist kein Verkehr

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Netter Schlafplatz

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Die schöne Höhle, wo keiner mehr hingeht

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Tolles Panorama auf der C4 hinter Kasi

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Luang Prabang auf dem Gelände vom Königspalast

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Wat Xieng Thong – nette Fotosession
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Reisfelder vorbereiten

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Moped ist ein begehrtes Verkehrsmittel

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Nette Begegnung mit Kindern
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Beim Stoffweben

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Schnapsbrennerei

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Fischerboot
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Käfer werden auch gerne gegessen
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Bambusratten sind auch begehrt

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Steinkrüge bei Phonsavan

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Kleine Wats unterwegs haben mir teilweise besser gefallen als die „must see“ Wats

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Mönche – da sind viele Kinder dabei
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Langsam wird es eng mit dem Rad

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Die üblichen „Traktoren“
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Auf dem Weg zur Kong Lor

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Tabakblätter aufspießen

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Meine kleine und geduldige Lehrerin
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Hey Falang iß mit uns – und trink etwas Schnaps

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Kann man auch eine größere Familie transportieren

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Auf dem Rückweg ging es durch Reisfelder am Mekong
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Buddhapark in der Nähe von Vientiane
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er wollte mich gerne beherbergen
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Das war sehr typisch – smartphone immer und überall

Beitrag geändert von Holger Sch (26.04.2017 07:06:04)


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