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#1 15.08.2015 16:05:24

Markus H.
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Benediktenwand "Via Bavaria" am 14.08.2015

Servus,

ich bin gestern mit Tobias O. die „Via Bavaria“ an der Benediktenwand gegangen.

Mit dem Fahrrad fuhren wir vom Alpenwarmbad in Ried zur Materialseilbahn der Tutzinger Hütte und dann zu Fuß weiter bis unter die Nordwand der Benediktenwand. Der Einstieg der „Via Bavaria“ befindet sich dort wo das Gras am höchsten an die Wand hinauf reicht, etwa 60m links der Gipfelfalllinie. Ein kleiner Steinmann markiert den Beginn der Kletterei. Mit Hilfe eines Topos (z.B. diesem: http://www.alpinrouten.de/files/routen/z_bavaria.htm) stellt das Auffinden der Route kein Problem da, auch wenn manche Seillängen etwas kürzer sind als im Topo angegeben.

In den unteren Seillängen hat man mehr Gras- als Felskontakt und es empfiehlt sich mit Profilsohle statt mit Kletterschuhen zu klettern. Trotz des eher leichten Geländes hat es zahlreiche alte und neue Schlaghaken und ab und zu auch mal einen Bohrhaken, Friends können zusätzlich angebracht werden. An den Ständen steckt in der Regel ein 12mm Bohrhaken und ein Schlaghaken (Abseilen nur von den unteren beiden Ständen ohne Materialverlust möglich).

Ab der 5. Seillänge geht es dann richtig los. Der erste gebohrte Zwischenhaken steckt in dieser Seillänge sehr hoch, gut also wenn man mittelgroße Friends dabei hat. In der 6. Seillänge steigt man erst hoch und quert dann unter das große markante Dach. Nicht von älteren Haken dazu verleiten lassen zu weit hoch zu steigen! Die 7. Seillänge (VII+ oder VI+/A0) markiert das Herzstück der Tour immer unter dem Dach entlang. Hier hat es auf knapp 30 Metern ca. 16 Zwischenhaken, gut wenn man genug Exen dabei hat. Vor allem der Nachsteiger freut sich wenn auch die meisten eingehängt sind, vor allem wenn man wie ich mit 2 Rucksäcken schwer bepackt dort nicht wirklich mehr klettert, sondern sich nur hochziehen lässt. Ein Rauspendeln wird durch die vielen Zwischensicherungen verhindert.

Die Schlüsselstelle wartet dann in der 8. Seillänge (im Lochner-Führer „Bayerische Voralpen mit VII angegeben, im obigen Link aber mit VIII-). Da wir bis hierhin recht gemütlich unterwegs waren, zeigte die Uhr bereits 17.00. Dunkle Wolken und stark auflebender Wind kündigten nun die vorhergesagte Kaltfront an. Als mein Vorsteiger auch im 3. Versuch nicht über die Schlüsselstelle hinaus kam, machte sich bei mir große Nervosität breit, auch da ein Rückzug recht zeitaufwendig gewesen wäre. Eine Trittschlinge im Bohrhaken, dazu ein Klemmkeil zum Hochziehen führten schließlich zum Erfolg und ich war heilfroh, als der Ruf „Stand“ ertönte. Mittlerweile fing es leicht zu tröpfeln an und auch mein Vorsteiger war nicht mehr so cool, da ich im Nachstieg ständig im Seil hing und die Zeit verrann. Schließlich konnte ich die Stelle mit einer Beinprusik meistern. Wir hatten nicht mal mehr die Muße uns ins Wandbuch einzutragen.

Die letzte Seillänge war dann schnell raufgerannt und am Gipfelkreuz angekommen sah das Wetter auch schon wieder besser aus. Wir schafften es sogar noch trockenen Fußes hinunter zum Parkplatz.

Grüße

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